Bolivien Frühling 2006 – Neues Leben, Neue Identität

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In den Anden in Bolivien im Frühling 2006.
Neues Leben, neue Identität.
Warum?

Als ich heute dieses Bild als Erinnerung in Facebook sah, dachte ich mir, jetzt gehe ich mit dieser Geschichte öffentlich. Es ist eine Sache, die die ganze Zeit in meinem Leben herumschwelt, für die mir andere Leute immer noch Vorwürfe machen. Ich habe das nie richtiggestellt und geklärt, weil ich der Ansicht war, mich nicht rechtfertigen zu wollen oder gar zu müssen.
Einige meiner alten Lüneburger Freunde und Bekannte kennen die Geschichte, aber ich habe sie nur wenigen Leuten komplett erzählt.

Ich habe damals etwas Krasses erlebt.
15 Jahre ist es jetzt her, dass sich mein Ex-Freund von damals in Spanien erhängt hat.
Ich hatte damals in Andalusien bereits mein Zuhause gefunden und 4 tolle Jahre in Granada gelebt. Ich hatte schöne Jobs. Aber nach diesem krassen Zwischenfall wendete sich alles gegen mich. Es passierten komische Dinge. Ich wurde nachts auf der Straße angegriffen, mein Auto ging kaputt, es fühlte sich nicht mehr stimmig an, ich wollte einfach den Ort wechseln. Es war wie, wenn Granada mich ausspucken wollte. Ich dachte, entweder ich ziehe direkt ans Meer, nach Almunécar oder ich gehe genau jetzt nach Südamerika und schlage ganz krass ein komplett neues Kapitel auf.
Ein paar Monate später saß ich im Flieger von Madrid nach Lima.
Dieses Foto ist danach in Bolivien entstanden. Ich wollte etwas Neues anfangen und einfach erstmal den Horizont wechseln. Das war meine Art, mit der ganzen Geschichte umzugehen.

Coroico, Yungas, in Bolivien 2008

Geschichten ohne Happy End als Teil vom Leben

Vielleicht hast du ja auch schon mal etwas so richtig Krasses erlebt. Ich erzähle das jetzt einfach, es ist ein Teil von meinem Leben. Ich habe oft gedacht, ich möchte gerne ein Buch schreiben über mein Leben, so eine Art Autobiografie. Aber ich finde einfach keine Zeit dafür momentan. Heute ist dieser Abschnitt bei mir wieder aufgetaucht und ich hatte einfach das Bedürfnis, es aufzuschreiben und in meinem Blog unterzubringen. Es ist kein gewöhnlicher Blogartikel, sondern ein Abschnitt aus meinem Leben. Das kommt in eine Extra-Kategorie: Persönliche Geschichten. Ich kenne mittlerweile so viele Menschen und finde es auch schön, auf diese Art solche Lebensabschnitte in ihrer Gänze zu teilen. Mit denen, die es interessiert. Normalerweise erzähle ich lieber gute Geschichten, wo ich weitergekommen bin und etwas gelernt habe. Diese Geschichte hat sich sehr in die Länge gezogen und hatte kein Happy End.
Aber auch das gehört zum Leben dazu!
Also, wenn dich meine Story interessiert, hier kannst du einen düsteren Teil meiner Geschichte lesen, eine Geschichte, aus der ich nicht rauskam und mich bis zum Schluss nicht daraus befreien konnte.

Wie ich die Kontrolle über meinen Traum aus meinen Händen gab

Ich hatte in Spanien schon früh meine Wahlheimat, mein Seelenzuhause gefunden. Seit ich 18 Jahre alt war und das erste Mal in Spanien (Cadaqués in Katalonien) gewesen war, wollte ich in Spanien leben, ich lernte die Sprache, reiste immer wieder hin, und dann, als ich 21 war, kam ich mit einem Spanier zusammen, in Lüneburg, Deutschland. Er war 11 Jahre älter als ich und lebte in Trennung und hatte vor, zurück nach Spanien zu gehen und legte mir nahe, diesen Weg gemeinsam zu gehen. Er wollte eine Firma gründen, einen Bio-Handel mit Kräutern und Knoblauch und ich könnte bei ihm mitarbeiten. Das klang sehr verlockend!
Eigentlich war ich gerade am Überlegen gewesen, eine Ausbildung im Reisebüro zu machen und dann anschließend nach Spanien zu gehen. Ich lebte schon ein paar Jahre in und um Lüneburg, jobbte und überlegte, was ich am besten mache oder lerne, was mir in Spanien nützen könnte. Aber dann kam dieser Vorschlag und ich war einverstanden. Ich machte also die Ausbildung nicht. Leider ging der Spanien-Plan nicht voran. Ja, so ist das, wenn man sich als junges Mädel, dumm und verliebt, auf kiffende Männer in der Midlifecrisis und ihre „tollen Ideen“ verlässt. Ich hatte es für voll genommen und ging davon aus, es sei verbindlich.

Kräuterhandel, das klang nach einer interessanten Perspektive!

Gefangen in einer Illusion und verpasste Chancen

Es sollte erst mal die „Zweigstelle“ in Deutschland errichtet werden, so richtig „toll“ mit Kulturcafé und allem drum und dran.
Aber es war keine Energie des Aufbruchs. Es waren 4 Männer, Anfang bis Mitte 30, die Hauptinitiatoren und irgendwie in der Midlifecrisis. Es war eine Kifferhöhle. Sie dachten wahrscheinlich noch, dass sie mir eine tolle Möglichkeit bieten, weil ich ja so ein armes Ding war. Klar, ich suchte irgendwie Geborgenheit, Liebe, Perspektiven, Gemeinsamkeit, Orientierung – aber es stoppte mich eher, mich auf diese Leute einzulassen als dass es mir tolle Perspektiven eröffnete. Ich steckte meine gesamte Energie in das Projekt – Geld (das bisschen was ich hatte), Arbeitskraft.
Es dauerte einfach zu lange. Ich musste jobben in der Kneipe. Ich wollte gar nicht dort sein, mit diesen Männern, es ging alles zu langsam. Warum bin ich nicht einfach alleine nach Spanien gegangen?
Ich hatte meine Hoffnung in dieses Projekt gesteckt und meine Kontrolle und Macht über mein Leben an diesen Mann abgegeben. Merkte er nicht, dass das nichts für mich war? Ich sah es irgendwie nicht. Wenn man im Sumpf steckt, dann kann man oft nicht über den Tellerrand gucken. Diese Männer kifften sehr viel. Ich machte auch manchmal mit, ich dachte, wenn es ihnen nicht schadet, dann kann es mir auch nicht schaden. Aber es machte mich platt und müde, nahm mir Energie, ich wurde dadurch sogar etwas vergesslich. Zu dumm!

Ich durfte niemandem in der Stadt über unsere Beziehung erzählen. Er wohnte noch bei der Ex und den Kindern. Er sagte, er müsse es ihr „langsam“ sagen, sonst tut sie sich etwas an. Ich respektierte es, aber nicht glücklich darüber. Ich war Anfang 20 und wollte glücklich sein! In der Situation konnten wir keinen gemeinsamen Freundeskreis haben. Ich hätte sofort die Finger davon lassen sollen! Manchmal, wenn er mich von meiner Arbeit in der Bar nachts abholte, blieb er dort und soff sich voll, fing an, den anderen Geschichten zu erzählen. Das war mir peinlich und es war nicht das Leben, was ich mir wünschte. Aber ich machte weiter mit.

Nach 2 Jahren lernte ich jemand anderen kennen und wir fingen fast eine Beziehung an. Das war ein ganz Toller. Ich erzählte dem Spanier sogar, dass ich mich in jemanden verliebt habe, aber er nahm es nicht ernst, ich machte weiter mit ihm, seinem „Projekt“. Eine verpasste Chance. Es wäre eine Beziehung auf Augenhöhe gewesen. Mein Leben wäre anders verlaufen!
Ein paar Monate später nahm mich ein Freund mit auf eine Party und ich blieb bei ihm ein paar Tage, wir fingen auch so etwas wie eine Beziehung an. Wir wollten sogar zusammen einen Urlaub machen auf La Gomera. Aber ich kam wieder nicht von dem Spanier los. Er bestrafte mich physisch dafür, dass ich mich auf jemand anderen eingelassen hatte. Dabei suchte ich doch nur einen Weg, richtige Freunde, die richtigen Leute. Irgendwie wollte ich da raus, in eine andere, schönere Energie, aber ich kam einfach nicht los. Ich ließ mich bestrafen und blieb. Was für eine Scheiße.

Bild von Karen Smits auf Pixabay

Lebe deine eigenen Ideen, deine eigene Vision!

Ich erzähle das, um zu sagen, wie schwach ich war, und um aufzuzeigen, dass wir im Leben manchmal jahrelang in Situationen festhängen, so lange, bis wir uns daraus befreien. Ich war nicht immer so selbstbewusst und klar, wie ich es jetzt bin. Ich erzähle das auch aus dem Grund, weil es noch mehr Menschen mit solchen Erlebnissen und Erfahrungen gibt. Die erstmal durch solche Sachen durch müssen, darin festhängen und denken, sie schaffen es nie!
Ich habe es auch geschafft – obwohl ich diese Sachen erlebt habe, die mich aufgehalten haben und meine Macht abgegeben habe. Mittlerweile lebe ich aber mein Traumleben. Du kannst es auch schaffen. Auch wenn du so etwas gehabt hast, was dich jahrelang festhielt. Verlasse dich nicht auf andere – mach es einfach für dich – gemeinsam etwas aufzubauen funktioniert wirklich nur dann, wenn du bereits auf deinem Weg bist! Sonst gerätst du in die Idee des Anderen, passt dich an die andere Person an und gehst einfach nicht mehr deinen eigenen Weg!

Doppelleben in Spanien – eigener Weg und Co-Abhängigkeit

Aber er merkte wohl, dass ich mich nicht mehr lange hinhalten lasse. Und so plante er endlich, mit mir nach Spanien runterzugehen, zunächst allerdings nur für ein paar Monate.
Ich war wieder voller Energie und meine Mutter schenkte mir sogar einen Sprachkurs an einer Sprachschule in Granada. Wohnen konnten wir in Granada in einer leerstehenden Wohnung von seiner Familie. Allerdings verzögerte sich unsere Abreise noch ein paarmal wegen irgendwelcher Zahnarzttermine von ihm, was für mich total blöd war, da ich den Sprachschultermin ja fest buchen musste.
Warum bin ich nicht einfach alleine losgegangen?
Schlimm, wenn man als junger Mensch die eigene Kontrolle abgibt und sich von einer langsameren Energie führen lässt. Es war wie Co-Abhängigkeit. Ich kenne Geschichten von Frauen, die mit Alkoholikern oder Drogensüchtigen zusammen waren. Das hat Parallelen. Man will den Anderen nicht hängenlassen und hat auch immer noch irgendwie Hoffnung in die gemeinsamen Ideen, man denkt, wenn man für den Anderen da ist, dann rappelt der sich schon wieder auf und am Ende wird alles gut.
Aber in Wirklichkeit macht es alles nur schlimmer!!!!

Die Sprachschule war super! Für mich tolle Energie, alle junge Leute, die die Sprache lernten, wir gingen nach dem Unterricht zusammen ins Café und praktizierten das Gelernte, entdeckten die Stadt.

Ich suchte mir danach einen Praktikumsplatz in einer anderen Sprachschule in Granada für ein halbes Jahr. Genug Zeit, um die Sprache zu lernen und Kontakte zu knüpfen, um mir anschließend einen Job zu suchen. Ich wollte es endlich durchziehen. Auf meine Art!

Ja, ich lebte immer noch mit dem Spanier zusammen. Aber er gründete keine Bio-Firma, in der ich mitarbeiten konnte. Das waren damals nur irgendwelche Ideen von ihm gewesen. Schade, dass er es nicht machte, eigentlich war es eine ganz gute Idee. Aber es war unverantwortlich, ein junges Mädchen damit einzulullen, was ihre eigenen Pläne dafür beiseiteschiebt.

Er war unverbindlich. Wir verabredeten uns manchmal nach meiner Sprachschule und er kam nicht zum verabredeten Zeitpunkt. Manchmal fand ich ihn dann in einem Künstleratelier mit Leuten abhängen und kiffen.
Er zog sein Leben nicht durch, ließ sich gehen. Ich konnte nicht mehr in seiner Energie bleiben, das hätte mich psychisch umgebracht. Es waren zu viele Jahre gewesen. Er lernte dann Leute in seinem Alter kennen, die hatten einen Kulturverein mit Museum, er konnte dort im Garten arbeiten. Ich wohnte noch mit ihm in der Wohnung von seiner Familie, aber es war nicht wie eine eigene Wohnung, man konnte dort nichts verändern oder den eigenen Stil reinbringen. Nachts saß er am TV bis morgens um 3. Es war kein cooles Zusammenleben. Was wollte er nur von mir? Aber ich ging ja auch nicht einfach weg, was ich durchaus hätte machen können. Dann suchten die Museumsleute jemanden, der auf ihrem Gelände wohnt, damit nachts jemand da ist. Er überlegte und ich animierte ihn, das zu machen, ich spürte, dass es für ihn wichtig war, unter Leute seines Alters zu kommen, damit ich mehr meinen eigenen Weg gehen konnte. Ich ging sogar mit, mit ihm dort zu wohnen, ich dachte, noch eine Zeit lang… Er hatte einen Tumor und war oft depressiv, ich wollte ihn nicht hängenlassen.

Ich arbeitete in einer Tauschschule, im Tourismus als Tour Guide, in der Bar des Kulturzentrums und machte Sachen, die mir gefielen und mich weiterbrachten. Und wir machten auch noch Sachen zusammen, hatten noch eine Art Beziehung, aber ich wollte immer mehr weg. Es wurde mir einfach zu krass. Der Spagat wurde zu groß. Er wollte sogar, dass wir heiraten, aber ich sagte ihm Nein. Ich sagte ihm, dass ich erstmal will, dass er gesund wird und dass er sich regelmäßig bei seinen Kindern meldet. Was sollen die denn denken, wenn wir jetzt heiraten. Außerdem wollte ich wirklich weg von ihm. Ich machte eigene Sachen, lernte Grafikdesign an einer Kunstschule, ich fühlte mich wohl in Granada.

Granada - Bild von Yanko Peyankov auf Pixabay

Kein Happy End!

Sommer 2005 lief alles aus dem Ruder. Ich hatte mich in jemand anderen aus Granada verliebt, der aber keine Beziehung mit mir wollte. War wahrscheinlich auch gut so, warum auch von einer Geschichte in die nächste? Mein Bruder war zu Besuch und wir durften fast nichts alleine machen ohne ihn. Er war wie eifersüchtig und total aufdringlich. Er drehte durch. Spürte wahrscheinlich, dass ich immer mehr weg wollte. Verfolgte mich auf meiner Arbeit, stand bei Feierabend dort mit meinem Auto. Aber nicht aus Freundlichkeit, um mich abzuholen. Er nahm meine Fotoalben, wo ich ganz viele tolle Fotos aus meiner Jugendzeit drin hatte und nahm noch andere Papiere und Bescheinigungen von mir, also von Examen, Abschlüssen, Arbeitsbescheinigungen usw. und verschwand damit mit einem großen Rucksack. Ich weiß nicht, ob er das verbrannt hat oder vergraben hat. Es waren Dinge, die mir wichtig waren. Er wollte mich ganz für sich haben, es war schlimm. Einmal schlug er mich auch grün und blau. Ich hatte mir schon ein Zimmer bei einer Freundin in ihrem Haus gemietet, aber noch nicht alle Sachen dort. Er machte meine Gitarre kaputt. Vor seinen Neffen und Kindern, die zu Besuch waren. Ich konnte nicht um Hilfe rufen, keiner war da, wir waren dort alleine. Die Kinder schrien und ein Neffe rief seine Mutter in Deutschland an.

Einmal bedrohte er mich mit einem Messer in der Nacht, ließ mich nicht weg, drohte, meine Sachen kaputtzumachen. Ich brauchte jemand mit einem Auto, um alle Sachen wegzutransportieren. Es klappte nicht schnell genug. Einmal machte er Nacktfotos von mir in der Nacht. Ich war mit einer Freundin auf dem R.E.M.-Konzert gewesen, es war der Hammer gewesen. Wir hatten auch was getrunken, es gab dort riesige Becher mit Whiskey-Cola zu kaufen und wir hatten uns einen Liter-Becher geteilt. Ich war keine Trinkerin im Gegensatz zu ihm. Ihn holte ich dauernd besoffen aus irgendwelchen Bars. Er weinte dann manchmal im Suff und wollte sterben. Bei mir war es einfach mal Spaß mit einer Freundin, sowas machte ich wirklich selten. Wir waren auf dem R-E.M-Konzert! Ein tolles Event! Ich kam also ein bisschen angeschwipst nachhause und er nannte mich gleich Nutte. Ich schlief aber schnell ein. Und dann sah ich am nächsten Morgen auf meiner Digitalkamera die Bilder, die er von mir gemacht hatte. Hat mir wohl im Schlaf die Klamotten ausgezogen und mich fotografiert, wie gestört ist das denn bitte?           
                                         —

Ja, und dann, ein paar Wochen später hat er sich erhängt. Mich bei der Arbeit angerufen, kurz vor dem Sprung. Und gesagt, dass er es macht. Später konnte ich dann dort nicht mehr arbeiten, weil ich immer daran erinnert wurde. Es war zu heftig.

Gefangen im Glauben an das Gute und gebrainwashed

Ich war die letzte Person, die wusste, was er machte, wie es ihm ging und was ihn bewegte. Komischerweise hat sich später nie jemand von seiner Familie an mich gewendet und mich gefragt, wie seine letzten Wochen oder Monate waren.
Ich denke, sie haben sich ihre eigene Geschichte zurechtgelegt. Sonst wären sie mehr mit mir ins Gespräch gegangen.

Nach seinem Tod zur Beisetzung kam die Familie und sie fragten mich auch. Ich erzählte auch, wie er die letzten Wochen war, aber sie glaubten mir nicht richtig, weil ich ja immer noch dort lebte. Die Frau seines Bruders sagte, bei solcher Gewalt wäre sie schon längst weg gewesen. Aber sie kannte ja nicht die ganze Geschichte.
Alles war eine Geschichte von Kontrolle und Macht, die ganzen Jahre. Ich habe es die ganze Zeit mit mir machen lassen, war wie gefangen darin, glaubte immer noch an das Gute, die „tolle Ebene“, die wir am Anfang gehabt hatten. Und zum Schluss ist es ausgeartet und hat sich zugespitzt. Und ich wollte wirklich weg zum Schluss. Hatte ja schon das Zimmer. Aber ich hatte 2 Jobs und musste irgendwie psychisch überleben und dann irgendjemand organisieren, der mir den Umzug mit meinen Sachen machte. Klar wollte ich weg. Er hatte ja schon meine Gitarre kaputtgemacht, mein Fotoalbum und meine Papiere.

Bild von Jose Antonio Alba auf Pixabay

Warum?

Ja, warum habe ich das so lange mit mir machen lassen bzw. gemacht?
Mittlerweile weiß ich es: Mir hatte von vorne herein der innere Halt gefehlt. Eine klare Ausrichtung und der Wille, meine Sachen alleine durchzuziehen. Irgendwie hatte ich immer geglaubt, eine Partnerschaft hilft mir, man ist zusammen, hält zusammen. Eine Illusion. Aber ich bin da rausgewachsen. Das ist jetzt lange her. Ich hatte dann noch 2 andere Partnerschaften danach. Es wurde einfach zu viel Anpassung von mir verlangt. Unterordnung. Sonst Diskussion, Stress.
Mittlerweile bin ich glücklich zu zweit mit meiner Tochter. Ich liebe es, mit Menschen befreundet zu sein und Gleichgesinnte in der Nähe zu haben, aber ich selbst lenke und gestalte mein Leben und so soll es sein!

Also Mütter und Väter, gebt euren Töchtern Kraft, dass sie von vorneherein selbstbewusst sind. Sie brauchen keinen Partner und schon gar nicht so jung! Sie sollen machen, was ihre Träume sind! Durch das Verliebtsein werden schnell die eigenen Träume beiseitegelegt, man ist geblendet und packt die Energien in die Beziehung und stellt sich selbst zurück.

Das soll so nicht sein! Meine Jugend war Ende der 80er bis Mitte 90er Jahre, ich bin mit der Bravo aufgewachsen und dort wurde immer suggeriert, dass man früh einen Freund haben sollte und dass das das Ideale sei. Aber wir brauchen es gar nicht! Ich habe mehrmals für einen Partner meine eigenen Träume zurückgestellt. Als ich 18 Jahre alt war, hatte ich die Möglichkeit, für 1 Jahr nach Costa Rica zu gehen und dort ein Praktikum in einer Wildkatzen-Auffangstation im Regenwald zu machen. Ich habe es nicht gemacht, weil mein damaliger Freund (ein Deutscher) wollte, dass ich in seiner Nähe bleibe. Und was hatte ich davon? Wieder nur Stress. Und verpasste Chancen!

Epilog: letztes Jahr in Deutschland

Als ich letztes Jahr für 1 Jahr wieder in Deutschland gelebt habe, hatte ich eine zufällige Begegnung im Supermarkt und erfuhr, dass seine Kinder (die mittlerweile erwachsen sind zwischen 20 und 30) angeblich „immer noch sauer“ auf mich seien. Ich habe mich immer gewundert, dass sie mich in all den Jahren nie gefragt haben, was vor seinem Tod war. Wenn ich einen Vater gehabt hätte, der so umgekommen ist, hätte ich das gemacht. Aber ich glaube, die Wahrheit wäre für sie wahrscheinlich auch sehr hart gewesen.

Es ist einfacher, mich, seine damalige Freundin, als Sündenbock hinzustellen. Klar war es für seine Kinder blöd, dass er sich von ihrer Mutter getrennt hatte damals. Aber er hat die Trennung nicht sauber und ehrlich durchgezogen. Mir hatte er gesagt, dass er in Trennung lebt und nur noch dort wohnt. Ihnen hatte er wohl lange Zeit gar nicht gesagt, dass er mit mir zusammen war. Das ging 2 Jahre lang so. Und das Schlimme war, dass er sich später, als wir in Spanien waren, nur sehr selten bei seinen Kindern gemeldet hat, was ich furchtbar fand. Also furchtbar für die Kinder, denn ich dachte zuerst, dass sie öfter nach Spanien kommen würden und bei ihrem Vater Urlaub machen würden, dass er Sachen mit ihnen unternehmen würde etc.
Ich kann nichts dafür, dass er sich nicht bei ihnen gemeldet hat, dass er sich so gehen lassen hat, dass ich ihn nachts aus den Bars geholt habe und dass er sich nicht um seine Gesundheit gekümmert hat.
Ich habe damals einfach versucht, mit ihm zusammenzuleben und wollte ihn am Schluss mit seiner Krankheit nicht hängenlassen. Ich hätte mich viel früher trennen sollen, habe es irgendwie nicht hinbekommen, dachte ich darf es nicht, es sei egoistisch oder sonstwas. Dafür, dass ich bis zum Schluss mit ihm zusammenlebte, werde ich nun auch noch für diese Geschichte verantwortlich gemacht.
ich hätte mich gar nicht auf einen Mann einlassen sollen, der „frisch von seiner Familie getrennt“ war und noch dort wohnte. Mit Kindern und allem drum und dran. Ich habe es nicht kapiert. Ich war 21 und verliebt und absolut verblendet. Heutzutage würde ich das nicht machen. Ich hätte alleine nach Spanien gehen sollen. Ich habe gedacht, wenn ich mit ihm gehe, kann er endlich nach Spanien zurück und sein Leben leben, was er immer leben wollte, er hatte mir erzählt, dass er so gerne zurück will und sich in Deutschland nicht gut fühlt. Er hat diese Gelegenheit nicht dafür genutzt, etwas aus seinem Leben zu machen, sondern er hat sein Leben einfach weggeschmissen. Und das ist bitter. Ich bin da zwar irgendwie involviert, weil ich mit ihm zusammen gelebt habe, aber ich trage keine Schuld! Er hat sich da selbst reingeritten.

Warum erzähle ich das?

Damit diese Energie nicht mehr an mir klebt, und ich hoffe auch, dass diese Geschichte irgendwie ans Licht kommt, bei unseren ehemaligen Nachbarn, Freunden, Bekannten und auch seiner Familie.
Und für mich selbst, ich möchte es einfach festhalten, denn eine aufgeschriebene Geschichte, die veröffentlicht ist, hat nochmal eine ganz andere Energie, und so wünsche ich mir, dass diese Geschichte ihren Weg geht, möchte sie befreien und nicht mehr mit mir herumschleppen, wie ungeklärt, unkommuniziert, und freue mich auch über Rückfragen.

Und ich möchte natürlich auch aufzeigen, dass man auch aus solch krassen Erlebnissen, in denen man jahrelang gefangen sein kann, am Ende dort herausgeht.

Stelle dein eigenes Vorankommen und deine Ziele an erste Stelle und bleibe nicht in solchen Situationen, wenn es sich nicht mehr gut anfühlt. Lebe dein Leben, teile auch Momente mit anderen Personen, aber go for your life und glaube an dich.
und wenn einer, der dir nahesteht, Depressionen hat oder sich gehenlässt – gehe rechtzeitig aus der Situation raus, hole Hilfe, sag Leuten Bescheid, zur Not Caritas oder der Polizei. Lasse dich nicht in Co-Abhängigkeiten reinziehen, am Ende bist du der Sündenbock. Zieh dich aus solchen Situationen raus und go for your life!

Das Ganze ist jetzt 15 Jahre her und ich musste heute daran denken, als ich dieses Bild von Bolivien sah. Ich habe 3 Jahre in Bolivien gelebt und habe mein Leben auf den Kopf gestellt. Ich hatte immer wieder Situationen, in denen ich mich entscheiden musste zwischen Anpassen und Rausgehen. Ich musste es noch eine Weile üben , aber inzwischen kann ich es immer besser. Ich schaue in jeder Situation, wie ich sie selbst lenken kann, was ich verändern kann, ich habe mein Leben in der Hand und bleibe nicht mehr als Opfer der Umstände in Situationen gefangen. Wenn ich etwas nicht lösen kann, dann schaue ich, dass ich mir Hilfe hole. Ich habe meine innere Haltung komplett verändert und das spiegelt sich auch im Außen wider. Mit dieser Haltung offenbart sich das Leben ganz anders, der Weg ist frei!

Mittlerweile lebe und arbeite ich ortsunabhängig und selbstbestimmt, und das ist für mich das Größte!

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Ich kann mir auch meine Zeit einteilen und entscheiden, dass ich an einem bestimmten Tag nicht arbeite und stattdessen mit meiner Tochter und Freunden irgendwo hinfahre.
So lebe ich bereits schon einige Jahre und bin sehr glücklich darüber, diesen Weg gegangen zu sein.

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4 Kommentare

  • Vielen Dank für die Veröffentlichung deiner Erfahrungen!

    Ja, die „besten“ Geschichten schreibt eben das Leben… Ich lese gern solche Berichte! Vielleicht, weil ich selbst krasse Sachen hinter mir hab mit Partnerschaft mit einem Drogenabhängigem, Suizide innerhalb der Familie und letztlich Kontaktabbruch zur Ursprungsfamilie.

    Ich denke, im Leben hat alles seinen Sinn, auch, wenn es manchmal nicht direkt klar erkennbar ist. Und letztlich gilt es die Dinge so anzunehmen wie sie sind und sich nicht noch mit Selbstvorwürfen zu belasten.

    Irgendwie ist ja ein HappyEnd trotzdessen bei dir mit vertreten: Du hast durch deine Erfahrungen nicht nur unglaublich viel Selbstbewusstsein dazu gewonnen, sondern führst nun ein selbstbestimmtes Leben. Und du wirst sicher deiner Tochter andere Werte vermitteln, eine andere innere Stimme geben als du sie in dir getragen hast. Du hast diesen destruktiven Kreislauf durchbrochen! DAS ist soooo viel wert!

    Viele liebe Grüße und beste Wünsche

    Julia von NaturFamilie

    Antworten
    • Wow, liebe Julia – danke für dein Feedback! Ja klar, natürlich sehe ich den Sinn und dass ich diesen Kreislauf und dieses Verhaltensmuster durchbrochen habe. Ich glaube, das sind ja Verhaltensmuster, die seit Jahrhunderten und Jahrtausenden über die Generationen weitergegeben werden, epigenetisch. Früher musste ein Mädchen heiraten, eine Ehe war eine Lebensversicherung. Alleine leben war ein No-go, warum auch immer, und zuhause bleiben durfte sie nicht. Sie brauchte einen „Versorger“. Diese Muster werden unbewusst weitergegeben. Ich glaube, dass gerade unsere Generation jetzt die Gelegenheit und auch die Aufgabe hat, diese Dinge nochmal zu durchlaufen und aufzulösen. Nun ja, ich habe dafür einige Jahre gebraucht. Aber ich lebe ja, der Weg ist offen. Und ich helfe ja auch anderen Menschen, neue Wege zu gehen, dafür sind diese Erfahrungen eben auch sehr wichtig. Bezüglich Happy End wäre das perfekte Happy End gewesen, dass ich es geschafft hätte, noch auszuziehen und mich zu trennen. Aber es war auch so okay.

      Antworten
  • Hallo liebe Mirjam,

    ja wow 😮 so eine krasse Geschichte!

    Hut ab für deinen Mut und für deine Stärke! Einfach unglaublich was du alles er- und überlebt hast. Ich bin so froh, dich zu kennen und einen kleinen Lebensabschnitt im VA-Leben mit dir gegangen zu sein.

    Du bist eine Kämpferin durch und durch!

    Fühl dich gedrückt!

    LG
    Sasa

    Antworten
    • Liebe Sasa, hey, danke für dein Feedback! Ja, ich war damals so sehr im Anpassungsmodus! Durch Prägung und Erziehung trauen wir uns ganz oft nicht, zu uns zu stehen, einfach auch mal Nein zu sagen, und das ganz klar und deutlich, weil wir unbewusst Angst vor Bestrafung haben! Und diese Geschichte kann man auf viele Bereiche im Leben übertragen – aus einer Partnerschaft rausgehen, ein Umfeld hinter uns lassen, neue berufliche Wege gehen. Wir müssen uns einfach mehr trauen, unseren Impulsen und unserer inneren Stimme folgen! Damit können wir uns das Leben so viel leichter machen. Ich denke, das ist Aufgabe unserer Generation. Wenn wir für uns Türen öffnen und neue Wege erschließen, haben unsere Kinder es leichter <3

      Antworten

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