Ortsunabhängig leben: Über den Umgang mit Neid und verlorenen Freundschaften und wie du dadurch an Stärke gewinnst

Bürgerkrieg in Nicaragua, Erholung in Costa Rica und Re-Definition meiner persönlichen Werte ein halbes Jahr später
Managua Toreinfahrt

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Dieser Blogartikel ist sehr persönlich und ich habe lange überlegt, ob ich ihn in dieser Form schreibe. Ich bin aber zu dem Schluss gekommen, dass ich ihn genau so schreibe, weil das Thema wahnsinnig wichtig ist. Meine ganze Arbeit widmet sich ja dem Bereich, neue Wege zu gehen, „Leben auf neuen Wegen“. Es geht vor allem darum, endlich den eigenen Wünschen und Ideen zu folgen und die Vision, die wir als Individuum von unserem eigenen Leben haben, tatsächlich umzusetzen.

Eine der Herausforderungen, die wir auf diesem Weg immer wieder haben, ist, die Kunst zu entwickeln, es uns nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen, wenn unser Umfeld unsere Ansichten über das Leben nicht teilt und unsere Ideen „verrückt“ und manchmal sogar „verantwortungslos“ findet.

WARUM TUT ES EIGENTLICH SO WEH, FREUNDE ZU VERLIEREN, DIE SICH AUFGRUND UNSERER LEBENSFÜHRUNG GEGEN UNS WENDEN?

Die meisten von uns, die einen neuen Lebensweg gehen, kennen es sehr gut, dass die eigenen Eltern sich darüber auslassen. Es tut deshalb manchmal so weh, weil es mit uralten Gefühlen zu tun hat, die wir in unseren Zellen gespeichert haben. Es geht damit einher, wie früher aufgrund von Religionen, Kulturzugehörigkeiten und Lebenseinstellungen Menschen aus ihren Familien oder Clans ausgestoßen wurden, wenn sie einen anderen Weg einschlagen wollten oder eigene, persönliche Werte für sich definierten oder sich in einen „Fremden“ verliebten. Diese Konflikte gibt es schon sehr lange und sie sind uralt!

In einigen Kulturen ist das sogar immer noch Gang und Gebe, dass eigene Wünsche und Bedürfnisse hinter das „Familienwohl“ gestellt werden müssen.

Aber wozu eigentlich das Ganze?
Im Gegensatz zu damals kann es uns doch heute egal sein, wie unsere Eltern oder Freunde unser Leben beurteilen – es geht schließlich nicht um das Überleben der eigenen Sippe – und überhaupt: Eigentlich könnten doch alle etwas toleranter sein! Wir haben heutzutage so viele Möglichkeiten, unser Leben individuell zu gestalten und tun niemand etwas Böses damit!

Das, was wehtut, ist meistens diese Art von Respektlosigkeit und Übergriffigkeit, mit der solche Diskussionen geführt werden, und es hat oftmals noch die Schwere aus uralten Zeiten: Es wirkt für Betroffene unbewusst wie ein Verbannungsurteil.

Wir Menschen haben Jahrhunderte und sogar Jahrtausende lang in der inneren Haltung gelebt, es anderen Menschen recht zu machen.

Man hat herausgefunden, dass im europäischen Raum in Zeiten der Jungsteinzeit viele Völker noch sehr entspannt gelebt haben und gleichzeitig auch zum Teil hoch entwickelt waren. Erst später, ausgelöst durch Ängste und Nöte, wurden Traditionen und Systeme entwickelt, die dem Überleben und dem Allgemeinwohl dienen sollten. Es gab Kriege und die Männer wurden Beschützer der Frauen. Das Patriarchat entstand. Sippenzwang, Zwangsheirat, harte Hierarchien, Könige, Religionen und Gesellschaftssysteme. Aus der Familie oder dem System ausgestoßen zu sein, bedeutete wenn nicht den Tod, dann doch Einsamkeit und ein hartes Leben. Es bedeutete, keine Zugehörigkeit zu einer Gruppe anderer Menschen zu haben.

Unsere Generation hier in Mitteleuropa (und auch in den USA) ist aber bereits mit eigenen Werten aufgewachsen, die Hippiezeit Ende der 60-er Jahre hatte großen Einfluss auf unser heutiges Bewusstsein. Auch viele Kinder lernen mittlerweile, für sich selbst einzustehen, wenn sie dafür offene Eltern haben.

Und es ist wichtig, sich zu verändern, Dinge anders zu machen als unsere Großeltern – denn wir leben in einer völlig neuen Zeit und alte Systeme funktionieren auch nicht ewig einfach so weiter!

Trotzdem sind auch in uns, die wir scheinbar freiheitlich denken, oftmals noch diese eingepflanzten Glaubenssätze versteckt, die ihre Ursache darin haben, dass wir schon damit erzogen worden und so aufgewachsen sind – also durch Prägung – oder eben auch schon uralt sind und auch unsere Eltern sie als Prägung von deren Eltern übernommen haben. Das ganze nennt sich auch „Gehirnwäsche“ und läuft zum großen Teil unbewusst ab.

WIR MÜSSEN AUFPASSEN, DASS GLAUBENSSÄTZE KEINE FREUNDSCHAFTEN ZERSTÖREN!

Wir kennen das ja alle, dass wir erst mal Kritik ernten, wenn wir etwas anderes machen, online arbeiten, mehr reisen, die Kinder aus der Schule abmelden, Dinge, die nicht der Norm unserer Eltern entsprechen. Meistens geht solche Kritik von der Familie aus. Oft sind es aber auch Freunde, und manchmal sogar solche, von denen wir immer geglaubt haben, dass es echt gute Freunde sind, die unsere Denkansätze verstehen und damit konform gehen!

Dieser Blogartikel soll so etwas wie ein Denkanstoß sein für uns alle, bewusst mit solchen Situationen umzugehen und zu akzeptieren, dass man manchmal auch alte Freunde gehen lassen muss….
….und dass Pionier zu sein zwar solche Situationen hervorrufen kann, dass wir Freunde verlieren oder von der Familie komisch beäugt werden – aber wir sollten es akzeptieren und sogar damit rechnen, dass es immer wieder passiert. Und dann können wir in uns reinfühlen, kurz traurig sein, aber bitte nicht darin verharren!

Diese Situationen dienen uns!

Wir können uns selbst reflektieren und uns klarmachen, dass wir diese Menschen erst mal ohne Groll gehen lassen dürfen. Wir müssen unseren Weg selbst anerkennen, wir brauchen nicht den Segen der Familie oder die Zugehörigkeit zu gewissen Leuten. Wir selbst müssen von innen heraus die innere Stärke entwickeln. Freunde kommen und gehen, und wenn wir uns weiterentwickeln, dann kommen eben nicht alle mit. Es ist anstrengend, andere Menschen von unserer Lebenseinstellung zu überzeugen, wenn sie sich dagegen sperren und es ist eine Verschwendung von Energie und Lebenskraft. Wir sollten es akzeptieren, dass manche da bleiben, wo sie sind. Wir sind Pioniere und eine Minderheit, und trotzdem gibt es immer mehr!

Das hier ist meine persönliche Geschichte, und ich habe ein paar Monate gebraucht, um mich gänzlich davon zu erholen. Ich erzähle jetzt die Geschichte, und am Schluss komme ich noch zu meinem persönlichen Fazit und darauf, wie wichtig es ist, eine gewisse Stufe der inneren Freiheit zu erreichen, so dass wir innerlich nicht mehr auf die Akzeptanz und Anerkennung anderer Menschen angewiesen sind.

– Wie aus einer Reise und dem Besuch bei alten Freunden am anderen Ende des Ozeans eine krasse Selbsterfahrung wurde –

Nach unserem 6-wöchigen Co-Living in Portugal mit anderen Familien im Frühling war ich sehr begeistert von diesem Lebensmodell. Wir waren ja dabei, das Freilernen als Alternative zum Schulsystem für meine Tochter auszuprobieren, und mir war klar: wenn, dann so! Wir hatten mit mehreren befreundeten und gleichgesinnten Familien eine Zeit in einem Bungalow-Dorf, nicht weit vom Meer, an der Algarve verbracht. Jede Familie hatte ihren eigenen Rückzugsraum, im gemieteten Bungalow oder im eigenen Wohnmobil und in der Anlage gab es einen Swimming Pool, ein Restaurant, einen kleinen Laden und ein paar Spielplätze. Nachdem ich vorher alleine mit meiner Tochter in Andalusien und Teneriffa gewesen war, fand ich es genial auf diesem Platz mit anderen Familien. Meine Tochter hatte Kinder zum Spielen und auf dem Gelände des Resorts musste man sich keine Sorgen machen, wenn die Kinder zusammen unterwegs waren. Als Erwachsene konnten wir uns gegenseitig austauschen – ohne Konflikte mit der Lebenseinstellung.

– weitere Details darüber hier im Blogartikel –

Nun fand ich den Winter aber in Südeuropa auch noch etwas zu kalt und dachte mir, es wäre schön, für den Winter einen Ort in einem wärmeren Land zu haben, wo man sich ebenfalls mit anderen Familien verabreden könnte. Schon seit längerem wollte ich gerne nach Costa Rica reisen und eine alte Freundin besuchen, die ich vor vielen Jahren dort kennengelernt hatte – wir waren seit mehreren Jahren wieder über Facebook in Kontakt und sie arbeitet mittlerweile auch online. Ein andere Freundin lebt in Nicaragua, sie hatte ich in Deutschland kennengelernt, nachdem ich mit meiner Tochter damals aus Bolivien kam, sie ist mit einem Deutschen verheiratet, meine Tochter ging damals mit ihrem Sohn in den Kindergarten und wir wohnten 2 Jahre in derselben Stadt, feierten Silvester zusammen, waren auch danach noch befreundet und hatten regelmäßigen Kontakt. Jetzt leben sie in Nicaragua und meine Freundin hatte uns auch schon seit längerem eingeladen.

Ich plante also eine Fernreise, um die Freundinnen in diesen beiden aneinandergrenzenden mittelamerikanischen Ländern zu besuchen und auch, um zu schauen, ob wir dort eventuell einen Ort für den nächsten Winter finden, mit Palmen, Pool und Bungalows. Außerdem ist ja meine Tochter halbe Lateinamerikanerin und so dachte ich mir, dass es bestimmt ganz interessant für sie sein kann.

Option: ein Resort für den Winter

ES WURDE EIN RICHTIGES ABENTEUER…

Wir flogen direkt von Madrid nach San José und dort angekommen, holte uns ein Freund von meiner Freundin am Flughafen ab. Zum Glück, denn 1 Tag vor unserer Abreise hatte mir meine Freundin noch gesagt, dass sie uns nicht abholen könne und wir mit dem Bus fahren müssten. Mit dem Taxi war es etwas weit. Sowas wollte ich eigentlich vermeiden! Schließlich konnte sie aber doch ihren Bekannten schicken, uns abzuholen.

Wiedersehen mit Alicia nach 24 Jahren!

San José ist riesig und meine Freundin wohnt mit ihrer Tochter in einem Randbezirk. Wir hatten abgemacht, dass wir zunächst nur eine Nacht bei ihr blieben und am Folgeabend direkt nach Nicaragua weiterreisen würden, die Bustickets waren schon gebucht. Erst ein paar Wochen später würden wir wieder zurück nach San José fahren und dann etwas länger bleiben, Ausflüge mit ihr unternehmen und später noch eine Zeit am Meer verbringen, an der Karibik und am Pazifik.

Wir hatten bei ihr einen schönen Abend mit 2 weiteren Freundinnen und leckerem kreolischem Essen (vegetarisch).

Es kam alles anders!

Am nächsten Abend fuhren wir mit einem Uber-Taxi zum Busbahnhof und von dort ging es in der Nacht los nach Managua, der Hauptstadt von Nicaragua. Die Fahrt dauerte 10 Stunden und wir konnten, als es hell wurde, die Landschaft betrachten. Wald und zu dieser Jahreszeit trockene Böden. Ich wusste, dass wir an der Grenze zu Nicaragua 2x aussteigen mussten. Einmal für die Ausreise aus Costa Rica und einmal für die Einreise nach Nicaragua. Bei der Ausreiseprozedur half uns ein Bus-Steward gegen ein Service-Entgelt, aber bei der Einreise mussten wir alles selbst machen. Jedes Mal war ich nervös, ob wir den Bus wiederfinden würden und wir mussten auch das Gepäck rausnehmen und durchleuchten lassen, es wurde aber nicht geöffnet. Die ganze Prozedur war nicht so toll, denn wir mussten auf der Seite von Nicaragua sehr lange warten, es war echt mega heiß, es gab keine Sitzgelegenheiten und wir mussten außerhalb des Busses etwa 45 Minuten warten, direkt neben einem Mülleimer. Überall waren Busse, Lkws und Verkäufer von Essen, Getränken, Souvenirs und Simkarten. Endlich konnten wir in den Bus rein und freuten uns über die Klimaanlage. Bevor wir losfuhren, begrüßte uns ein blauer Vogel direkt am Fenster, wo Yasmine saß. Ich dachte mir: Das hat bestimmt etwas zu bedeuten! Dann ging es noch ein paar Stunden durch die Landschaft und in Managua holte uns meine Freundin ab, es war eine riesengroße Wiedersehensfreude!

Managua, Bäume

Sie haben ein tolles Haus mit tropischem Garten am Stadtrand von Managua und die Stadt gefiel mir gleich beim Durchfahren total gut – viel besser als das nicht so hübsche San José. In Managua gibt es viele große Bäume in der Stadt, viele kleine Häuser und es wirkt gar nicht richtig wie eine Großstadt. Echt gemütlich wirkte es auf den ersten Blick. Der Stadtteil, in dem ihr Haus ist, ist ruhig mit viel Natur. Was mich aber gleich zu Anfang wunderte, waren die 3 Hunde, die sie dort haben, denn man muss sich wohl doch vor Einbrechern schützen. Jedenfalls war ich aber happy und wollte gar nicht mehr weg.

Managua, Pool in der Nachbarschaft

Wir verbrachten ein paar tolle Tage bei ihnen zuhause, Yasmine verstand sich sofort wieder gut mit ihrem Kindergartenfreund von damals, und auch mit dem Nachbarmädchen. Wir fuhren auch in die Stadt zum großen See und aßen in einem Restaurant. An einem anderen Tag gingen wir auf einen Bauernmarkt, wo lokale Produkte verkauft wurden. Der Mann von meiner Freundin befand sich noch im Norden des Landes, wo er seine Arbeitsstelle hat und dort einige Wochen am Stück verbringt, um dann wieder eine Zeit zuhause zu sein. Der Plan war, dass wir 2 bis 3 Wochen hier bleiben würden, sie hatten genug Platz, wir hatten ein eigenes kleines Appartement mit Küche bei ihnen am Haus.

Leckeres Bier mit ganz viel Eiswürfeln und Bananenchips mit Chili und Limette

Meine Freundin schlug mir vor, Yasmine für die Zeit an der Deutschen Schule als Gastschülerin anzumelden, die nicht weit vom Wohnhaus entfernt war. Yasmine hatte aber kein Interesse und ich selbst fand es auch etwas zu stressig, sie jeden Tag dort hingehen zu lassen in der Hitze. Ich ging aber einmal mit, den Sohn zur Schule zu bringen, um mich über außerschulische Aktivitäten zu informieren, die dort auch angeboten wurden. Es war ein Fußweg von einer halben Stunde. Die Landschaft war ganz schön, aber leider sehr staubig. An einer Stelle des Weges war eine Meute Hunde, die uns ankläfften und fast ansprangen. Nicht ganz ungefährlich, auch wenn alles ruhig wirkte.

Managua, Stadtteil, Abendlicht

Es gab auch noch ein paar Sachen, die ich ein bisschen gruselig fand, dann aber damit abtat, dass es ja in solchen Ländern wohl so sei:

Im Haus waren Webcams angebracht und meine Freundin wies mich am 2. oder 3. Tag darauf hin. Ich solle mich davon nicht stören lassen, sagte sie, aber es könne sein, dass ihr Mann uns vom Norden des Landes aus beobachtet. Auch im Auto war eine Kamera, die alles aufzeichnete, was auf der Straße passierte.

Ein paar Tage später kam der Mann von meiner Freundin am Flughafen an und ich kam mit, um ihn abzuholen und vor allem, um mehr von der Landschaft zu sehen. Die Fahrt zum Flughafen war allerdings etwas abenteuerlich, weil wir Umwege nehmen mussten aufgrund von Demonstrationen und Straßenblockaden in der Stadt. Es gab Unruhen und Proteste, ich dachte aber zunächst, das sei nichts Dramatisches.

Am nächsten Tag unternahmen wir alle zusammen einen Ausflug an den Strand, nach Pochomil.

Pochomil, am Strand

Auf der Rückfahrt, als wir am Stadtrand von Managua waren, wären wir beinahe in eine brennende Barrikade hineingefahren und konnten gerade noch abbiegen.

Puh, jetzt bekam ich doch einen ersten Schreck. Es waren brennende Autoreifen, vor denen maskierte Leute herumsprangen.

Am nächsten Tag sagte dann meine Freundin, dass die Proteste zunehmen und es wohl Straßenschlachten im Zentrum gab.

Nicaragua, San Marcos

Sollte ich lieber zurück nach Costa Rica fahren? Auch für meine Freunde war die Situation überraschend, denn seit 20 Jahren hatte es wohl keine Unruhen mehr im Land gegeben. Sie hingen die ganze Zeit vor dem Fernseher und wollten mir die Lage erklären, warum, wieso, weshalb. Eigentlich war es mir egal, warum, denn ändern konnte ich daran sowieso nichts. Und ich fühlte mich unwohl.

Am Nachmittag sagte meine Freundin, dass sie zum Supermarkt fahren und sich mit Vorräten eindecken wolle – oh je, das klang nach nichts Gutem.

Auf dem Weg zum Supermarkt bekam ich dann den ersten richtigen Schock! Es war eine Schlage von Menschen zur Kasse, bestimmt 300 Meter auf die Straße raus. Wir gingen nicht rein, denn so lange wollten wir natürlich nicht warten. An der Tankstelle das Gleiche: Schlangen von Pkws und Lkws, um zu tanken!

– Oh je, dachte ich: Es gibt bald kein Benzin mehr, die Geschäfte werden leergekauft, vielleicht gibt es keine Bustickets mehr, weil alle wegwollen – fahren überhaupt noch Busse? Zum Flughafen kommen wir nicht mehr, weil auf dem Weg dorthin Straßenschlachten und Barrikaden sind….vielleicht müssen wir die 140 km bis zur Grenze zu Fuß zurücklegen und laufen Gefahr, überfallen zu werden – Wahnsinn alles, lieber so schnell wie möglich weg hier…

Wir fuhren also ohne einzukaufen und ohne zu tanken zurück nach Hause. Abends gingen wir in der Nachbarschaft spazieren, alle redeten über die Situation. Am nächsten Tag sollte die Schule ausfallen. Meine Freundin riet mir, noch 2 Tage zu warten, bis eine angekündigte Haupt-Demonstration zu Ende sein sollte, da sich anschließend die Lage eventuell beruhigen konnte. Vielleicht wusste sie, dass die Grenze zu Costa Rica momentan geschlossen war (habe ich erst hinterher erfahren), und wollte mich nicht beunruhigen.

Ich wartete also die Tage ab. Vom Garten aus hörten wir die Schüsse aus der Innenstadt.
Tja – ein ruhiger und gemütlicher Aufenthalt würde das hier wohl nun nicht mehr werden!

2 Tage später half mir meine Freundin, einen Bus nach Costa Rica zu finden, der auch außerhalb von Managua hält, um nicht in die Stadt reinfahren zu müssen. Ich buchte Tickets für uns per Telefon, packte die Sachen zusammen, und meine Freunde wollten uns am nächsten Morgen früh zu dem Dorf bringen, wo der Bus halten würde.

Total schade, denn ich hatte so gerne dieses Land etwas besser kennenlernen wollen! In den Barrios herumlaufen, in den einfachen Bistros Tortillas essen, das Leben hier ein bisschen kennenlernen und Ausflüge in die Umgebung machen. Es hatte mir wirklich gefallen!
Aber so kann es eben auch kommen beim ortsunabhängigen Leben.

Managua, Landschaft, Weg zur Schule

Mir ging es in dem Moment nicht gut damit, die Sache abzubrechen, aber es war einfach das wichtigste, uns in Sicherheit zu bringen – ich hatte in aller Eile die Sachen zusammengepackt, hatte Yasmine aber nicht gesagt, wie ernst die Situation war. Ich war total im Überlebensmodus, spürte das Adrenalin in meinem Blut und tat alles, um nach außen hin ruhig zu wirken. Ich hoffte, dass wir an die richtige Stelle fuhren, eine Siedlung namens „El Crucero“, etwa 18 km außerhalb der Stadt. Wir wussten nur die ungefähre Zeit, wann der Bus dort entlangfahren sollte und ich hoffte, dass alles klappte und gut ging… Vor Ort angekommen, fragten wir in einer Art Hostel, ob dort der Bus hielt und wo genau, es war ja auch nichts gekennzeichnet. Man zeigte uns die Stelle und wir warteten. Es war mitten im „Nirgendwo“ und ich war dankbar, dass unsere Freunde auch noch so lange dort blieben, denn wenn sie wegfahren würden, hätte ich keinen Handyempfang, und ich wusste auch nicht ganz genau, wo wir waren.

Wir waren früh da und warteten eine Dreiviertelstunde. Es hielten nur lokale kleine Busse, weit und breit kein großer Fernbus! Ich fühlte mich unwohl und hatte wirklich Angst, wollte nur noch lebend da raus mit meinem Kind. Ich war innerlich echt am Zittern und hoffte nur, dass meine Tochter das nicht spürte.

Dann passierte wieder etwas ganz Merkwürdiges:
Der Mann meiner Freundin fing plötzlich an, mich zu fragen, warum Yasmine nicht zur Schule ging und wie wir das mit dem Unterricht machen würden.
Ich dachte zunächst, dass er einfach interessiert ist und sich austauschen will. Sie hatten selbst mal ein Jahr in Afrika gelebt und mit ihrem Sohn Homeschooling gemacht.

Aber es kam ganz anders:
Er fragte, ich antwortete, und erklärte ihm, dass wir momentan reisen und keinen Unterricht machen, dass sie aber Onlinezugang zu einigen Lernportalen hat. Er fragte weiter und sagte, dass er der Meinung sei, man müsse das schon durchziehen mit der Schule. Ich sagte okay, wie er meint, und war in dem Moment nicht dazu aufgelegt, irgendwelche Gegendarstellungen zu machen, denn mein einziger gedanklicher Fokus galt dem Bus, auf den wir warteten und ich spürte immer noch das Adrenalin in meinem Blut. Er redete weiter und wurde immer aufgeregter – ich hörte mein Herz pochen und sagte, wir könnten doch ein andermal drüber reden und wenn er möchte kann ich ihm später ein paar Links von André Stern und Bertrand Stern schicken, wenn ihn das Thema interessiert. Denn mir wurde schon etwas schwindelig und meine Ohren dröhnten. Er hörte aber nicht auf und redete und redete weiter auf mich ein. Er griff mich regelrecht an. Mein Kopf pochte. Es wurde mir zu bunt. Klar ist das ein heikles Thema. Aber leben und leben lassen – oder? Er merkte gar nicht, was mit mir los war und dass für mich gerade unser Leben auf der Kippe stand. Wirklich ein schlechter Moment für solche Grundsatzdiskussionen…

(Puh, das war ganz schön krass und kam unerwartet wie die Unruhen im Land.

Ich wollte das Gespräch abbrechen und sagte ihm dann laut und sehr bestimmt: „Bitte höre jetzt damit auf und gib einfach Ruhe! Es ist jetzt kein guter Moment für solche Diskussionen, ich kann dir gerne Informationen zu dem Thema schicken, aber ich möchte gerade einfach auf den Bus warten! Mache mir jetzt keinen Stress und vor allem: nicht vor meiner Tochter!“

Das hörte seine Frau, die etwas abseits stand, sie kam näher und zog ihn weg und sagte wie beleidigt: „Komm, wir gehen“. Ohne ein Wort folgte er ihr, sie gingen zum Auto, setzten sich rein und machten Anstalten, loszufahren. Ich sagte zu ihr: „Was ist denn los, das könnt ihr doch jetzt nicht machen?!“ Mir war echt übel und die ganze Situation wuchs mir über den Kopf.

Sie kam raus aus dem Auto und wir gingen zurück zu der Stelle, wo wir vorher gestanden hatten und wo Yasmine auf unsere Koffer auspasste. Dort fing sie an, vor meiner Tochter auf mich einzureden. Dass ich sie zur Schule schicken müsste, dass sie gerne hin möchte und ich es ihr verbieten würde – ich fiel aus allen Wolken, weil die Situation so absurd war! Zur Krönung wendete sie sich noch an Yasmine und bot ihr ihre Hilfe an, falls sie mit mir als Mutter Probleme haben sollte. Yasmine saß die ganze Zeit auf dem Boden und versuchte sich irgendwie auszuklinken.

Nicaragua, El Crucero. Warten auf den Überlandbus

Ob sie das unbedingt noch schnell loswerden wollten? Es war aber einfach absurd. Ich hatte nicht gedacht, dass sie damit Probleme haben, dass Yasmine nicht zur Schule geht. Ihnen selbst war es wichtig, dass ihr Sohn dort auf die deutsche Schule geht, die auch wahrscheinlich sehr gut ist und haben sich deshalb auch dort das Haus gekauft, nah an der Schule. Das ist doch auch völlig in Ordnung! Jeder kann es machen wie er will, und ich rede ihnen auch nicht da herein oder sage ihnen, sie sollen ihren Sohn aus der Schule abmelden.

Sie redete weiter und machte mir noch mehr Vorwürfe: Warum ich, als wir am Strand waren, nicht mit Yasmine ins Wasser gegangen sei (mir war heiß gewesen, ich wollte im Schatten bleiben und auf meine Haut aufpassen und das Wasser war mir nicht sauber genug). Sie redete sich richtig in Rage.
War es Neid, dass ich einfach mit Yasmine sein konnte wo ich wollte und sie als Familie jetzt im Bürgerkrieg an Ort und Stelle bleiben mussten?

Genau weiß ich das nicht.

Endlich kam der Bus.

Ich habe später das Gespräch gesucht, um ihr noch mal zu erklären, warum ich meine Tochter für den Aufenthalt in Managua nicht an der Deutschen Schule anmelden wollte. Es hatte aber keinen Sinn, sie brach den Kontakt zu mir komplett ab. Bis heute weiß ich nicht, wie es ihr geht und ob die Lage dort sich entspannt hat.
Mit der Geschichte bin ich jetzt im Frieden. Sie hat sich selbst so entschieden, den Kontakt abzubrechen. Die Art und Weise von ihr und ihrem Mann, mir das an den Kopf zu knallen, war nicht okay, aber sie haben das selbst so entschieden.

Im Nachhinein ist mir aber eine Sache ganz klar geworden: Solche Konflikte kann man vermeiden!

In Zukunft werde ich auf Reisen GENERELL eine neutrale Unterkunft suchen oder es vorher klar und offen abklären!
Natürlich ist es toll, wenn man Freunde im Ausland hat, die einen einladen, und mit vielen richtig guten Freunden klappt das auch. Trotzdem ist meine ganz klare Empfehlung: Suche dir eine eigene Unterkunft, dann bist du unabhängig. Erwarte nicht von deinen Freunden, dass sie dich verstehen oder tolerieren. Meine Freundin war damit wahrscheinlich überfordert. Wohne nur bei Freunden, von denen du haargenau weißt, dass sie ähnlich denken. Checke das vorher ab in einem Gespräch!

Ganz wichtig:

  • Entwickle ein Gespür dafür, wie offen die Leute sind, mit denen du zu tun hast und wie viel du in einem Gespräch wirklich preisgibst.
  • Verschwende nicht deine Energie damit, anderen Menschen deine Lebensweise zu erklären.
  • Sieh zu, dass du für dich vorankommst und dir ein stabiles Fundament mit deiner ortsunabhängigen Arbeit aufbaust.
  • Suche regelmäßig Kontakt mit Gleichgesinnten und lernen von denen, die schon an einem Punkt sind, wo du noch hinkommen möchtest.
  • Versuche nicht, Freunde oder Bekannte von deiner Lebenseinstellung zu überzeugen. Erzähle, wenn sie fragen und wenn du merkst, dass echtes Interesse dahintersteckt.
Sámara, Costa Rica

Die Fortsetzung gibt es bald im 2. Teil!

IN COSTA RICA: SCHOCKVERARBEITUNG, ERHOLUNG UND NATUR PUR – wieder Kontakt mit Gleichgesinnten und abschließende Gedanken

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  • Was sind das für Familien, die auf Reisen gegangen sind?
  • Was war ihre Motivation aufzubrechen?
  • Wie finanzieren sie ihr ortsunabhängiges Leben?
  • Welche Länder sind empfehlenswert?
  • Was ist bei der Planung wichtig?
  • Was ist alles vor der Abreise zu erledigen?
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  • Was haben sie noch für Visionen für ihr Leben?

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2 Kommentare

  • Mein Kompliment Mírjam! Dein Blogartikel war von Anfang an fesselnd! Ich bin beeindruckt, wie du dein Fazit aus der Sache gezogen hast. Das wichtigse ist doch ( so gefährlich und unangenehm die beschriebene Lage auch war), dass ihr heile aus der der Situation heraus gekommen seid! Schade um deine Freundin, aber ich finde du gehst super mit dem Verlust der Freundschaft um. Zum Glück lernst du (nicht zuletzt durch deinen offenen Lebensstil) genug neue Menschen kennen.

    Antworten
    • Danke du Liebe 🙂 Ja, es war am Anfang so, dass ich überhaupt nicht wusste, wie ich das Erlebte einordnen sollte. Ich glaube, sie kam einfach mit meinem „Easy-Lebensstil“ nicht zurecht und irgendwas daran hat sie geärgert. Ich habe daraus auf jeden Fall gelernt, und es ist wichtig, solche Freunde gehen zu lassen und auch nicht böse oder verbittert zu sein, für sich selbst hat sie ja sicherlich ihre Gründe. Freut mich, wenn es spannend zu lesen war!

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